Psychotherapie im Kontext von Flucht- und Migrationsbiografien

Angesicht der Tatsache, dass mittlerweile 25 Prozent der deutschen Bevölkerung eine Migrations- oder Fluchtgeschichte in der Familie haben, trägt auch Deutschland als Zufluchtsort eine Verantwortung, Menschen mit vergangener Gewalterfahrung innere und äußere Sicherheit zu ermöglichen und so einen Ort für Heilung darzustellen, um eine Re-Aktualisierung oder Chronifizierung von psychischem Leiden zu verhindern.

Das Leben vieler Menschen mit Flucht- oder Migrationsbiographie sieht oft anders aus: Für sie kann der Alltag in Deutschland eine konstante Konfrontation mit einem „Anders-Sein“, „Nicht-Dazugehören“ und einer Gefahr für Leib und Leben darstellen. Dieser Rassismus verursacht ein hohes Stresslevel, Re- bzw. Neutraumatisierung oder andere psychologische Narben (Ferreira, 2009).

Es ist daher von zentraler Bedeutung, die Auseinandersetzung mit den Folgen von Migration, Flucht und nicht zuletzt Rassismus auf die Psyche und Psychotherapie verstärkt in die Aus- und Fortbildung in Psychologie und Medizin einzubringen. Daher freuen wir uns, Ihnen in diesem Jahr den Kurs „Psychotherapie im Kontext von Flucht- und Migrationsbiographien“ anbieten zu können.

Das Fort- und Weiterbildungsangebot richtet sich an psychologische und ärztliche Psychotherapeut:innen, Psycholog:innen und Ärzt:innen in Weiterbildung, Kolleg:innen aus den Bereichen Beratung und Coaching sowie Mitarbeiter:innen in der medizinischen und psychosozialen Versorgung.

Dieses Seminar richtet sich an die Menschen, die sich mit den Besonderheiten, Ungleichheiten und Fragen im Kontext von Flucht- und Migrationsbiographien auseinandersetzen und eigene Erfahrungen und Positionen reflektieren möchten. Ein Schwerpunkt wird dabei auf der Darlegung von Flucht- bzw. Migrationserfahrungen (in der Familie), sowie rassistischer Diskriminierung als Risikofaktoren für die psychische Gesundheit von Menschen liegen. Dabei wird darauf Wert gelegt, möglichst diverse Perspektiven aus der Psychologie sichtbar zu machen und diesen Gehör zu schenken. Darüber hinaus werden wir uns mit den daraus folgenden Implikationen für die Psychotherapie, bzw. die allgemeine psychologische und medizinische Versorgung, beschäftigen und Schwierigkeiten bzw. Hindernisse gemeinsam betrachten und zu überwinden suchen. Nicht zuletzt werden die Teilnehmer:innen angeregt, persönliche Perspektiven und Prägungen zu reflektieren und zu hinterfragen.

Allgemein wird darauf Wert gelegt, genug Raum zu geben für Erfahrungsaustausch, Auseinandersetzung mit divergierenden Perspektiven, sowie die Versprachlichung von Unbehagen und Widerstand.

Dozenten: Lisa Hartke und Dr. Hans Onno Röttgers

Termine: 12 Unterrichtseinheiten, verschoben auf 2022

Veranstaltungsort: Die Veranstaltung wird als Online-Seminar via ZOOM durchgeführt.

Teilnahmegebühr: Die Teilnahmegebühr beträgt 23,00 € pro Unterrichtseinheit, insgesamt 276,00 €. Darin sind der Workshop, Handouts und die Teilnahmebescheinigung einschließlich der Fortbildungspunkte enthalten.

Fortbildungspunkte für Ärzte und psychologische Psychotherapeuten wurden bei der Psychotherapeutenkammer Hessen beantragt.

Anmeldung: Wir freuen uns über Ihre verbindliche Anmeldung per E-Mail bis zum 04. August 2021 an: hans.roettgers@schematherapie-marburg.de

Mindestteilnehmer:innenzahl: 12 Höchstteilnehmer:innenzahl: 24